Mit dem Lama durch die Heide

Artikel im Hamburger Abendblatt

Amelinghausen. Kontakt zu Tieren hatte Dietmar Preißler schon immer. Er ist auf einem Bauernhof aufgewachsen.  Bis ihm eines Tages die Idee mit den Lamas kam. "Ein Bekannter brachte ein Lama mit. Die Tiere waren mir sofort sympathisch." 

Ein Vierteljahr später kaufte Preißler sich seine beiden ersten Lamas auf einer Farm im Erzgebirge. Im bayerischen Kaufbeuren absolvierte er ein Praktikum bei einem Lama-Züchter, lernte dabei alles über ihre Lebensweise: "Mit Halftern und Satteln allein ist es nicht getan. Man muss auch den Umgang mit den Tieren lernen und wissen, wie sie gepflegt werden müssen."

Das alles beherrscht Preißler heute, sechs Jahre nach der ersten Lama-Tour, nahezu perfekt. Inzwischen bietet er geführte Touren durch die Region an, mit dem Lama als Weggefährten. Neun Tiere leben inzwischen bei ihm in Amelinghausen, ganzjährig macht Preissler mit ihnen Wanderungen.

Mit bis zu 20 Kilo Gepäck auf dem Rücken gehen die Tiere auf die Reise, sind dabei leise, fügsam und menschenfreundlich. Und weich, durch ihr dichtes, langmähniges Fell. Lamas sind Weichsohlenfüßler, sie hinterlassen deshalb, ähnlich wie Schafe, kaum Trittschäden in der freien Natur.

"Sie sind neugierig und sehr viel gehorsamer als ein Esel oder ein Maultier", sagt Udo Weinig. Er ist immer wieder dabei, wenn mit den Tieren gewandert wird. "Es ist erholsam, mit den Lamas zu wandern. Sie sind fast lautlos in der Landschaft. Mit ihnen gleitet man durch den Wald", sagt Weinig.

Angetan von der Wanderidee mit den sanftmütigen Begleitern ist auch Hugo Müller aus dem Wendland. Für ihn ist es heute die zweite Trekking-Tour mit den freundlichen Vierbeinern. "Der Kontakt zu den Tieren in freier Natur - das entspannt", sagt er.

Übernachtet wird unterwegs in Heu-Herbergen, in Pensionen und auf Bauernhöfen. Wenn das Wetter es zulässt, gehört auch ein Picknick unter freiem Himmel zu jeder Tour - und des Abends, wenn möglich, ein Lagerfeuer.

Wer sich anfangs noch keine ganztägigen, in der Regel 15 Kilometer langen Wanderungen durch die Heide zutraut, kann auch einen Schnuppertag buchen. "Dann dauert der Ausflug zwei bis vier Stunden", sagt Dietmar Preißler. Geeignet sind seine Touren ebenso für einen Kindergeburtstag wie für einen Betriebsausflug. Drei Personen müssen es mindestens sein.

Mit seinen Lamas ist Preißler zu jeder Jahreszeit unterwegs. "Die Tiere brauchen die Bewegung. Sie stammen aus dem südamerikanischen Hochland, da machen ihnen auch niedrige Temperaturen gar nichts aus. Mit Extremtemperaturen wie Hitze und Kälte kommen sie gut zurecht", sagt Preißler.

Schon von den Inkas wurden die Lamas als Haustiere gehalten und als Woll-, Fleisch- und Lasttiere genutzt. Sie stammen aus der Familie der Kamele und werden 110 bis 120 Zentimeter groß. Genügsam sind sie, was ihr Futter angeht. "Lamas sind reine Pflanzenfresser. Sie mögen alles, was auf der Wiese steht und fressen auch Baumrinde oder Heidekraut", sagt Preißler.

Getränkt werden sie in der Regel auch nur einmal am Tag, mehr Wasser brauchen die Lamas meistens nicht. Trotz ihres dichten Fells schwitzen sie auch auf langen Touren wenig.

Gespuckt wird nur im Ausnahmefall. "Menschen spucken sie eigentlich nicht an. Das passiert nur bei Rangkämpfen untereinander. Nass wird man nur, wenn man aus Versehen zwischen die Fronten gerät", sagt Udo Weinig. Lamas sind Herdentiere. "Wenn man sie allein hält, geht es denen nicht so gut", sagt Hugo Müller.

Leittier in Preißlers kleiner Herde ist Pedro, ein friedliches und freundliches, dreizehn Jahre alte Lama-wallach, der den anderen zeigt, wo es lang geht und deshalb immer als erstes Tier in der Karawane läuft, auf dem Rücken das Gepäck "seines" Menschen. Streicheln ist bei Lamas ausdrücklich erlaubt - deswegen werden sie auch zu therapeutischen Zwecken gern eingesetzt: So einen Wegbegleiter könnte man eigentlich jeden Tag gebrauchen.